Schlagwort: Privatsphäre

  • Freie Software ist nicht gratis – warum Freiheit in Zeiten der Digitalisierung Geld kostet

    Einleitung

    Stell dir vor, du betrittst ein Geschäft, in dem du alles kostenlos bekommst. Du musst für die angebotenen Waren kein Geld bezahlen. Doch am Eingang wirst du gebeten, dich komplett auszuziehen und deine Kleidung an einen Haken an der Wand aufzuhängen. Jeder, der vorbeigeht, darf deine Kleider ansehen, anfassen und fotografieren. Klingt völlig pervers? Genau so funktioniert aber das Internet, wie wir es heute kennen.

    Wir nutzen Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Cloud-Dienste, die scheinbar nichts kosten. Doch der Preis für die Nutzung dieser Services wird nicht in Franken oder Euro bezahlt, sondern mit unserer Privatsphäre. Unsere Daten werden hemmungslos gesammelt, analysiert und verkauft.

    Wer wirklich unabhängig bleiben möchte, braucht eine Alternative. Und diese Alternative heisst «Freie Software». Doch was bedeutet das eigentlich? Und warum lohnt es sich, dafür zu zahlen?


    Freie Software heisst nicht gratis und ohne Kosten

    Viele möchten umsteigen. Weg von Google, Apple, Facebook (Meta – also auch WhatsApp und Instagram!), Amazon, Microsoft

    Dabei führt der Weg unweigerlich zur Nutzung von freier Software. Was aber ist «freie Software»? Mehr dazu unter: Free Software Foundation Europe

    Der Begriff «frei» ist hier missverständlich. Er bezieht sich nicht auf den Preis (wie bei «Free Beer»), sondern auf die Freiheit (wie bei «Free Speech»). Es geht um das Recht, die Software zu studieren, zu verändern und weiter zu verteilen. Doch diese Freiheit hat einen Preis, der oft unsichtbar bleibt.

    Warum «frei» nicht «gratis» bedeutet

    Die Vorstellung, dass Software, die niemandem gehört, keine Kosten verursacht, ist ein grober Trugschluss. Hinter jeder freien Software stecken hohe menschliche und technische Ressourcen.

    Zunächst einmal fallen Entwicklungskosten an. Jemand muss den Code schreiben, Fehler beheben, Sicherheitslücken schliessen und neue Funktionen entwickeln. Das erfordert spezialisierte Fachkräfte, die oft Jahre ihres Lebens in ein Projekt investieren. Diese Entwickler sind keinesfalls Roboter; sie brauchen Nahrung, Wohnraum und ein Einkommen. Wenn sie ihre Arbeit nicht bezahlt bekommen, müssen sie einen Job annehmen, der sie von der Entwicklung freier Software ablenkt. Oder aber: Projekte werden mangels Einnahmen eingestellt, weil die Entwickler abspringen, da sie ihre Lebenskosten sonst nicht decken können.

    Dazu kommen Infrastrukturkosten. Selbst wenn der Code kostenlos ist, braucht er Server, um verteilt zu werden (Download-Server), Rechenleistung für Tests, Domains und ein Hosting für Webseiten und Speicherplatz für Backups. Diese Dinge kosten monatlich eine Stange Geld. Auch die Verwaltung von Communities, das Moderieren von Foren und das Organisieren von Meetings verbrauchen Zeit und Geld.

    Schliesslich gibt es Rechtliche und administrative Kosten. Freie Software wird oft von Vereinen oder Stiftungen verwaltet. Diese benötigen Anwälte, um Lizenzen zu prüfen, Verträge abzuschliessen und sich gegen Klagen zu wehren. Auch die Buchhaltung und das Spendenmanagement erfordern professionelle Betreuung. Das alles kostet Geld.

    Die Illusion des «kostenlosen»

    Bei BigTech-Produkten sind diese Kosten nicht etwa verschwunden; sie werden nur verlagert. Wir zahlen nicht mit Geld, sondern mit unseren Daten. Die Unternehmen verdienen an uns, indem sie unsere Aufmerksamkeit und die dadurch gesammelten Informationen verkaufen. Bei freier Software hingegen sind wir die Kunden, nicht das Produkt. Wenn wir die Entwicklung unterstützen, finanzieren wir direkt die Unabhängigkeit der Technologie.

    Es ist also nicht fair, von Entwicklern zu erwarten, dass sie ihre Arbeit umsonst erledigen, nur weil die Lizenz «frei» ist. Freiheit ist ein Wert, den es zu schützen gilt. Wer «Freie Software» nutzt, sollte verstehen, dass dies eine Investition in eine Zukunft ist, in der wir nicht von den kommerziellen Interessen einiger weniger Tech-Oligarchen abhängig sind.

    Lohn und Motivation für geleistete Arbeit

    Wenn wir zur Arbeit gehen, erwarten wir auch einen Lohn für die investierte Zeit und die geleistete Tätigkeit. Im Gegenzug sollten wir aber auch etwas für die wertvollen und oftmals mit viel Herzblut entwickelten Tools abgeben, die unter freien Lizenzen veröffentlicht und angeboten werden. Nur so kann deren Fortbestehen und die Entwicklung sichergestellt werden.

    Die Menschen, die hinter diesen Projekten stehen, machen ihre Arbeit vielfach nebenberuflich – in ihrer Freizeit. Anstatt also im Freibad zu liegen und sich die Sonne auf den Rücken brennen zu lassen, sitzen sie hinter ihren Bildschirmen und entwickeln Werkzeuge, die es uns allen ermöglichen, ohne Zwang und Abhängigkeit einen Computer oder ein Smartphone zu nutzen und dabei auch auf Datenschutz nicht verzichten zu müssen.

    Die Arbeit dieser Menschen sollte uns etwas Wert sein, damit sie ihrer Passion nachgehen können und weiter Software schreiben, deren kostbare Existenz uns allen am Herzen liegt.

    BigTech vs. Free Software

    Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, dass wir uns darauf besinnen, welche Software wir für welchen Zweck einsetzen. Betriebssysteme, Anwendungsprogramme, Apps und Webdienste. In sämtlichen Bereichen dominieren die Angebote von grossen, US-Amerikanischen Unternehmen, die aktuell für negative Schlagzeilen sorgen. Sie gaukeln ihren Benutzern vor, dass ihre Dienste «gratis» zur Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

    Die Dienste von BigTech sind allerdings keineswegs kostenfrei. Ganz im Gegenteil. Wer diese Angebote nutzt, bezahlt mit dem Recht auf persönliche Freiheit. Die Software und die Dienste von den grossen Playern bereichern sich an den Nutzerdaten und verwenden diese, um damit abhängig machende Geschäftsmodelle aufzubauen. Und noch viel mehr:

    Wie GAFAM mit unseren Daten reich wird

    Die fünf grossen US-Tech-Konzerne – Google, Apple, Facebook (Meta), Amazon und Microsoft – verdienen Milliarden mit unseren persönlichen Informationen. Nicht ohne Grund beherbergt genau diese Branche die reichsten Menschen der Welt.

    Jedes Mal, wenn wir etwas suchen, klicken, liken oder kaufen, hinterlassen wir digitale Spuren. Diese Daten werden gesammelt, kombiniert und analysiert. Daraus entstehen detaillierte Profile über unsere Gewohnheiten, Vorlieben, Ängste und Beziehungen. Diese Profile werden wiederum an Werbetreibende verkauft, die genau wissen wollen, wem sie was verkaufen können. Je genauer das Profil, desto höher der Preis.

    Gleichzeitig nutzen die Konzerne diese Daten, um ihre eigenen Produkte zu verbessern und Konkurrenten zu verdrängen.

    Wir sind also nicht die Kunden – wir sind das Produkt.

    Wer diesen Zeilen misstraut oder gerne mehr Hintergrundinformationen dazu hätte, wie Big Tech mit uns spielt und seine Nutzer ausnutzt; dem kann ich die Dokumentation «Die gefährlichsten Firmen der Welt – Big Tech» von ZDF nur ans Herz legen. Auch für gestandene Datenschützer und digital unabhängige Poweruser ist diese kurze Serie auf jeden Fall einen Blick wert:

    https://www.zdf.de/dokus/zdfinfo-die-gefaehrlichsten-firmen-der-welt-big-tech-100

    Und wo steht Europa in Bezug auf Free Software?

    Aus Europa kommen viele Protokolle, Softwareprojekte und Betriebssysteme, die alle auf freien Lizenzen basieren. Ein paar Beispiele: HTTP/HTTPS & HTML & URL (wurden allesamt am CERN in der Schweiz von Tim Berners Lee und Team entwickelt), Linux, KDE Plasma, Mastodon, LibreOffice, Nextcloud, oder auch die beliebten Linux-Betriebssysteme openSUSE und Ubuntu.

    Wie wir sehen, wäre also ein Web ohne die Innovation von Europa gar nicht möglich gewesen; es wäre sozusagen inexistent. Denn ohne das Standardprotokoll HTTP/HTTPS, das in Kombination mit HTML, der Auszeichnungssprache, und der URL, dem Adressierungssystem, zur Übertragung von Webseiten verwendet wird, und ohne Linux, auf dem ein Großteil der Server im Web betrieben wird, könnten Clouddienste wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure, Google Cloud Platform (GCP) oder auch Meta’s interne Infrastruktur von Big Tech gar nicht angeboten werden. Es ist also schon fast ein bisschen ironisch, wenn man genauer darüber nachdenkt.

    Tipp: Ein hervorragender Beitrag, der die Ambivalenz zwischen Europäischen Free Software Projekten und der US Big Tech Industrie beleuchtet: https://ploum.net/2026-01-22-why-no-european-google.html

    Freie Software: Schlüssel für Europa?

    Europa versucht gerade, unabhängiger von den großen US-Tech-Konzernen wie Microsoft, Meta und Google zu werden. Ein wichtiger Baustein, um dieses Ziel zu erreichen ist definitiv freie Software – also Betriebssysteme und Programme, deren Code offen liegt und von allen genutzt, verbessert und geteilt werden kann.

    Die Europäische Union setzt dabei auf mehrere Hebel: Mit neuen Gesetzen wie dem Digital Markets Act (DMA) soll verhindert werden, dass die Tech-Riesen ihre Marktmacht hier bei uns missbrauchen. Gleichzeitig fördert die EU eigene Projekte wie Gaia-X, eine europäische Cloud-Infrastruktur, die nicht von einzelnen Firmen kontrolliert wird. Auch öffentliche Einrichtungen werden ermutigt, auf Open-Source-Lösungen umzusteigen, statt sich von proprietären Systemen abhängig zu machen.

    Das Ziel ist klar: Europa will digitale Souveränität erreichen – also selbst bestimmen können, welche Technologien genutzt werden und wer die Kontrolle darüber hat. Doch dieser Weg ist steinig. Die großen Plattformen sind tief in unserer Infrastruktur verankert, und viele Menschen haben sich über Jahre an sie gewöhnt. Eine vollständige Ablösung wird daher einige Zeit brauchen. Aber mit freier Software hat Europa ein Werkzeug in der Hand, um langfristig eine eigenständige digitale Zukunft aufzubauen.

    Jede Stimme zählt

    Wir alle können unseren Beitrag zur Verbreitung und Entwicklung von freier Software leisten, indem wir unsere Stimme über die Brieftasche abgeben. Jede Stimme zählt. Und wer bezahlt – der wählt.

    Software ohne Zwang und ohne ausspioniert zu werden, nutzen zu können, sollte uns allen etwas wert sein. Es ist an der Zeit zu handeln und zu verstehen, dass Freiheit und Unabhängigkeit Geld kostet. Viel zu lange haben wir uns einlullen lassen von den gehypten Versprechungen der Marketingabteilungen von Big Tech.

    Eine «Geiz ist Geil»-Mentalität führt uns in den Abgrund und wenn wir auf dem harten Boden der Realität aufschlagen, ist es bereits zu spät. Denn dann haben wir unsere Freiheit verkauft und sind den absurden Ideologien und Geschäftsmodellen einer Industrie zum Opfer gefallen, die uns über Jahrzehnte hinweg schlicht und einfach an der Nase herumgeführt hat, um selber massive Gewinne einzufahren.

    Wollen wir uns das wirklich gefallen lassen? Die Entscheidung liegt bei allen, die sich für oder gegen einen Webdienst, ein Programm oder ein Betriebssystem entscheiden. Damit wir weiterhin freie Software nutzen können, sind diese Projekte gerade jetzt auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Jetzt, wo der Druck wächst und Big Tech mit Gesetzen versucht, alternative Angebote zu drangsalieren. Denn von Luft und Liebe lässt sich auch Open Source nicht flächendeckend etablieren.


    Liste von Open Source Projekten

    Ich habe hier eine Liste zusammengestellt, mit Links zu den jeweiligen Spenden-Seiten, auf denen man direkt einen Beitrag leisten kann. Dabei handelt es sich keineswegs um eine abschliessende oder wertende Auflistung. Es sind einfach die Projekte, die ich persönlich täglich nutze und die mich schon länger auf meinem Weg, weg von Big Tech, begleiten.

    Hinweis: Viele dieser Projekte sind auch offen durch aktive Unterstützung in Form von Übersetzungen, Hilfe beim Gestalten der Webseite oder durch aktive Entwicklung der Codebasis – es muss also nicht immer einfach nur Geld bezahlt werden!

    Betriebssysteme

    Desktop Umgebungen

    Anwendungsprogramme & Apps

    Apps

    Soziales Netz

    • Mastodon-Instanz: Auch unser Zugang zum wunderbaren Fediverse (und ja ich weiss, dass Mastodon nicht das einzige Tool ist, um Zugang zum Fediverse zu haben), verdient hin und wieder etwas Liebe. Ermöglicht es uns doch, hier offen und ohne getrackt zu werden, miteinander zu kommunizieren.
    • Mastodon: https://joinmastodon.org/sponsors
    • Peer-Tube: https://joinpeertube.org/contribute

    Webdienste


    Mitmachen?

    Welche Software ist Dir besonders wichtig; hast Du Vorschläge, wie die Liste erweitert werden kann? Lass es mich wissen, schreib mir einen Kommentar und ich werde weitere Ergänzungen vornehmen.

    Fediverse Reactions
  • Video: Unterm Radar – Wege aus der digitalen Überwachung

    Video «Unterm Radar – Wege aus der Digitalen Ueberwachung» auf dem PeerTube Kanal von Digitalcourage ansehen.

    Ob Cyberkriminielle, Onlineriesen oder Nachrichtendienste – sie alle machen Jagd auf die personenbezogenen Daten der Nutzerinnen und Nutzer. Denn die Kontrolle über diese Informationen ist im 21. Jahrhundert ein wichtiges Machtinstrument. Die Doku stellt anhand konkreter Fallbeispiele Lösungsmöglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre im Internet vor.

    Im Zeitalter der digitalen Massenüberwachung ist der Datenschutz im Internet ein wichtiges Thema. Trotz der – eher zaghaften – Regulierungsversuche bleibt das World Wide Web ein wahrer Datendschungel, in dem die Bürgerinnen und Bürger den Schutz ihrer Privatsphäre selbst in die Hand nehmen müssen. Allerdings gibt es kein Patentrezept, da nicht alle denselben Risiken ausgesetzt sind. Die Dokumentation «Unterm Radar – Wege aus der digitalen Überwachung» zeigt anhand konkreter Fallbeispiele Möglichkeiten zum Schutz des Privatlebens im Internet auf.

    In Berlin will der junge Performer Max dem Tracking durch die „Big Five“ entgehen und Künstlerinnen und Künstler sowie Clubs eine Alternative zu Facebook bieten.

    In Casablanca sensibilisieren die Lehrkräfte am Lycée français ihre Schülerinnen und Schüler für die Gefahren des Cybermobbings. In Hongkong lernt eine Wissenschaftlerin und potenzielle Zielscheibe der chinesischen Machthaber, wie sie online unsichtbar werden kann. Und in den USA finden investigative Journalisten vor dem Hintergrund des Auslieferungsverfahrens gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange Wege, sich ohne Cyberüberwachung mit ihren Quellen auszutauschen.

    Die Protagonisten und Protagonistinnen stellen praktische Lösungen vor – wie etwa Alternativen zu WhatsApp, Safari oder Google Maps – und präsentieren Onlinestrategien wie die Kompartimentierung der Daten. Außerdem befasst sich die Dokumentation mit den Möglichkeiten von freier und Open-Source-Software sowie mit Fediverse, einem neuen Social-Media-Netzwerk, dessen Nutzer die Kontrolle über ihre Daten behalten sollen.

    Dokumentation von Marc Meillassoux (F 2021, 52 Min) auf arte.tv: https://www.arte.tv/de/videos/100750-000-A/unterm-radar/

    Das Video war auf Arte verfügbar vom 23.11.2021 bis 27.02.2022

  • Video: Reclaim Your Face

    Video «Reclaim your Face» auf dem PeerTube Kanal von Digitalcourage ansehen: https://digitalcourage.video/w/bmBXBcNq1SAKrLRwm11FWH

    In seinem neuesten Werk “Reclaim Your Face” hat sich Alexander des Themenkomplexes biometrische Überwachung und Gesichtserkennung angenommen. Der Kurzfilm beleuchtet anschaulich die Gefahren, die von biometrischen Überwachungssystemen für unsere Gesellschaft ausgehen. Alexander Lehmann ist u.a. bekannt durch den Kurzfilm ”Du bist Terrorist”.

    Wir fordern ein europaweites Verbot von automatisierter Gesichtserkennung und von anderen Formen biometrischer Überwachung im öffentlichen Raum. Jetzt unterschreiben:

    https://reclaimyourface.eu/de

  • Video: Nothing to Hide – Ich habe nichts zu verstecken

    Video «Nothing to Hide: Ich habe nichts zu verstecken» auf PeerTube ansehen.

    Nothing to Hide: «Ich habe nichts zu verstecken». Viele sehen das so. Zumindest sagen sie es. Weil sie gar nicht wissen, was man mit ihren Metadaten alles anfangen kann. Das kann fatale Folgen haben.

    Wenn wir genauer hinsehen, werden wir erschrecken, was unsere Daten über unser Leben Preis geben.

    • unseren genauen Standort
    • wann sind wir online
    • mit wem haben wir Kontakt
    • was tun wir gerade
    • und vieles mehr…

    Tolle Doku zum Thema Überwachung und Tracking durch Google, Facebook (GAFAM) usw.

    Leider ist das Video auf PeerTube nur noch in Englischer Sprache verfügbar. Es lohnt sich dennoch, sich die Doku anzuschauen.

    #surveillance #privacy #bigdata #überwachung #google #facebook #decentralize #security

  • Google Alternativen

    Für die Websuche gibt es nicht nur Google als Suchmaschine. Ich möchte hier eine kleine Übersicht geben, welche Alternativen ich selber nutze. Diese Suchmaschinen verwenden kein Tracking und senden keine Informationen über Dich an Drittfirmen. Für eine umfangreiche Übersicht über viele Suchmaschinen empfehle ich Search Engine Party. Auch der Artikel «Es geht auch ohne Google – Alternative Suchmaschinen» von Digitalcourage ist empfehlenswert.

    Meine persönlichen Favoriten

    Metager

    MetaGer wird vom SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang – mit Sitz in Hannover entwickelt und betrieben. Wie der Name schon suggeriert, war MetaGer ursprünglich eine Metasuchmaschine. Inzwischen betreibt MetaGer auch einen eigenen Index, aber viele Ergebnisse kommen immer noch von anderen Suchmaschinen wie Yahoo/Bing oder Yandex und auch kleineren, weniger bekannten Suchmaschinen wie Exalead, Netluchs und YaCy. Google-Ergebnisse fehlen. MetaGer speichert nach eigenen Angaben weder Ihre IP-Adresse noch den „Fingerabdruck“ Ihres Browsers, verzichtet auf Tracking und verwendet Ökostrom. Die sehr übersichtlich aufgelisteten Infos zu Datenschutz und Privatsphäre können auf der Seite eingesehen werden. MetaGer wird finanziert über Spenden, Fördermitgliedschaften und Text-Werbe-Links. Seit August 2016 ist die eingesetzte Software unter einer freien Lizenz kostenlos erhältlich.

    Nachteil: Keine Google Ergebnisse. Allerdings kannst Du mit startpage.com die gleiche Suche ausführen und bekommst dort die Resultate, die Dir auch Google liefern würde.

    Searx

    Searx ist eine dezentrale Meta-Suchmaschine. Jeder kann eine eigene Instanz betreiben. Der Schutz der Privatsphäre ist bei Searx oberste Priorität. Gedacht ist sie für erwachsene, mündige User, die das Internet ungefiltert erfahren wollen. Folgerichtig ist der SafeSearch-Filter per Voreinstellung ausgeschaltet, was Instanz-Betreibende aber ändern können. Auf searx.space ist die Liste der öffentlichen Instanzen ersichtlich; dies ist interessant für alle, die keinen eigenen Server betreiben wollen.

    Getätigte Suchanfragen werden anonymisiert, bevor sie an die bis zu 70 Suchanbieter geschickt werden.

    Nachteil: Weil Searx-Instanzen meist von Privatleuten betrieben werden, die keine Lizenzverträge mit den im Hintergrund abgefragten Suchmaschinen abschließen, werden viele Searx-Instanzen von diesen Suchmaschinen blockiert, sobald sie populär werden. Dann funktionieren diese Searx-Instanzen nicht mehr richtig oder gar nicht mehr.

    eTools.ch

    eTools.ch ist wie MetaGer eine Meta-Suchmaschine, die verspricht, keine persönlichen Daten zu speichern. Die Suchergebnisse sind ausgezeichnet – hier kann man Seiten finden, die selbst Google nicht kennt.

    Nachteil: Leider bindet eTools.ch Werbung durch Drittanbieter ein, die unter Umständen Cookies setzen und so das Nutzungsverhalten erfassen können.

    Startpage

    Für alle, die nicht auf Google Resultate verzichten wollen/können, eignet sich die Proxy-Suchmaschine am besten. Google Resultate werden anonymisiert dargestellt. Ohne Tracking und Filter-Bubble.

    Finanziert wird die Startpage über Werbung, welche direkt zum eingegebenen Suchbegriff geschaltet wird. Gemäss eigenen Angaben werden keine Nutzerdaten an die Werbetreibenden weitergegeben.

    Ursprünglich gehörte Startpage einer Niederländischen Firma. Unterdessen wurde ein Mehrheitsanteil an eine US-amerikanische Firma verkauft und seitdem stehen auch etliche Server in den USA.

    Eingeschränkt empfehlenswert

    DuckDuckGo

    DuckDuckGo ist wahrscheinlich die bekannteste Suchmaschine, wenn es um Privatsphäre für den Otto-Normalverbraucher geht. Nach eigenen Angaben werden keine persönlich zuweisbaren Informationen gesammelt. DuckDuckGo funktioniert auch ohne JavaScript.

    DuckDuckGo verwendet einen eigenen Webcrawler und greift zusätzlich auf zahlreiche andere Suchmaschinen zurück (Meta-Suchmaschine).

    Zum eingegebenen Suchbegriff wird Werbung über das Microsoft Advertising Netzwerk geschaltet. Zusätzlich finanziert sich DuckDuckGo über Amazon und eBay.

    Ein Teil des Codes ist Open Source. Gerichtsstand ist USA.

    Qwant

    Qwant ist eine Französische Suchmaschine und bietet somit einen besseren Schutz der Privatsphäre als die USA. Gemäss den Datenschutzbestimmungen von Qwant erfolgt kein Tracking.

    Die Suchergebnisse kommen von einem eigenen Crawler, Ergänzungen kommen von Bing (Meta).

    Auch hier wird für die Werbung das Microsoft Advertising Netzwerk verwendet.

    Ohne JavaScript wird man auf die Lite-Version lite.qwant.com geleitet, welche für schwächere Hardware vorgesehen ist.

    Swisscows

    Swisscows kommt, wie der Name schon sagt aus der Schweiz. Der Schutz der Privatsphäre ist hier nochmals besser als in den USA oder in der EU.

    Die Suchresultate stammen hauptsächlich von Bing (Proxy).

    JavaScript muss aktiviert sein, damit die Suchmaschine funktioniert.

    Gemäss eigenen Angaben (Datenschutzbestimmungen) werden keine persönlichen Daten gesammelt. Einzig die Suchanfragen pro Tag werden geloggt, damit die Performance ausgewertet werden kann.


    Diese Übersicht basiert auf dem detaillierten Artikel von paranoid.is und auf der Übersicht von Digitalcourage. Besten Dank an dieser Stelle!

  • Video: Made to Measure – Eine digitale Spurensuche

    Video «Made To Measure: Eine digitale Spurensuche» direkt auf der Webseite madetomeasure.online anschauen.

    Ein crossmediales Datenexperiment macht auf eindrucksvolle Weise erlebbar, welche Einblicke Google, Facebook & Co. in unsere intimsten Geheimnisse haben.

    Die interaktive Website des Datenexperiments: www.madetomeasure.online – «Made To Measure: Eine digitale Spurensuche» veranschaulicht, wie Online-Unternehmen, Werbetreibende und andere Datenhändler die gesammelten Informationen nutzen, um aus den Schwächen, Unsicherheiten, Krankheiten und Suchtpotenzialen der Menschen Profit zu schlagen und stellt die große philosophische Frage: Ist die Idee der Autonomie des Einzelnen im Digitalzeitalter überholt?

    Made to Measure ist ein Experiment: Kann man eine Person allein anhand ihrer Online-Spuren nachbilden? Von jemandem, den man nicht kennt, einen Doppelgänger/ eine Doppelgängerin erschaffen? Das Leben einer Person bis ins Detail nachbauen, nachspielen und verfilmen, ihre Persönlichkeit kopieren?

    Im Sommer 2020 haben wir Menschen durch Social-Media-Spots in mehreren Sprachen dazu aufgerufen, bei Google und Facebook die Herausgabe ihrer persönlichen Daten zu verlangen und uns diese Daten anonymisiert zur Verfügung zu stellen. Mehr als 100 Menschen aus ganz Europa sind diesem Ruf gefolgt.

    Wir haben einen Datensatz ausgewählt, der 5 Jahre Leben eines Menschen dokumentiert. Weil es viel zu einfach gewesen wäre, die Daten zu kombinieren, die Google, Facebook und andere Datenhändler über diesen Menschen gesammelt haben, haben wir uns auf die Google-Daten der Person beschränkt, die das Unternehmen herausgeben muss, laut EU-Gesetz. Mehr als 100.000 Datenpunkte hatte das Unternehmen innerhalb der 5 Jahre über die Person angehäuft.