Kategorie: Freie Software & Linux

Beiträge zu Open Source, Betriebssystemen, Tools

  • Freie Software ist nicht gratis – warum Freiheit in Zeiten der Digitalisierung Geld kostet

    Einleitung

    Stell dir vor, du betrittst ein Geschäft, in dem du alles kostenlos bekommst. Du musst für die angebotenen Waren kein Geld bezahlen. Doch am Eingang wirst du gebeten, dich komplett auszuziehen und deine Kleidung an einen Haken an der Wand aufzuhängen. Jeder, der vorbeigeht, darf deine Kleider ansehen, anfassen und fotografieren. Klingt völlig pervers? Genau so funktioniert aber das Internet, wie wir es heute kennen.

    Wir nutzen Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Cloud-Dienste, die scheinbar nichts kosten. Doch der Preis für die Nutzung dieser Services wird nicht in Franken oder Euro bezahlt, sondern mit unserer Privatsphäre. Unsere Daten werden hemmungslos gesammelt, analysiert und verkauft.

    Wer wirklich unabhängig bleiben möchte, braucht eine Alternative. Und diese Alternative heisst «Freie Software». Doch was bedeutet das eigentlich? Und warum lohnt es sich, dafür zu zahlen?


    Freie Software heisst nicht gratis und ohne Kosten

    Viele möchten umsteigen. Weg von Google, Apple, Facebook (Meta – also auch WhatsApp und Instagram!), Amazon, Microsoft

    Dabei führt der Weg unweigerlich zur Nutzung von freier Software. Was aber ist «freie Software»? Mehr dazu unter: Free Software Foundation Europe

    Der Begriff «frei» ist hier missverständlich. Er bezieht sich nicht auf den Preis (wie bei «Free Beer»), sondern auf die Freiheit (wie bei «Free Speech»). Es geht um das Recht, die Software zu studieren, zu verändern und weiter zu verteilen. Doch diese Freiheit hat einen Preis, der oft unsichtbar bleibt.

    Warum «frei» nicht «gratis» bedeutet

    Die Vorstellung, dass Software, die niemandem gehört, keine Kosten verursacht, ist ein grober Trugschluss. Hinter jeder freien Software stecken hohe menschliche und technische Ressourcen.

    Zunächst einmal fallen Entwicklungskosten an. Jemand muss den Code schreiben, Fehler beheben, Sicherheitslücken schliessen und neue Funktionen entwickeln. Das erfordert spezialisierte Fachkräfte, die oft Jahre ihres Lebens in ein Projekt investieren. Diese Entwickler sind keinesfalls Roboter; sie brauchen Nahrung, Wohnraum und ein Einkommen. Wenn sie ihre Arbeit nicht bezahlt bekommen, müssen sie einen Job annehmen, der sie von der Entwicklung freier Software ablenkt. Oder aber: Projekte werden mangels Einnahmen eingestellt, weil die Entwickler abspringen, da sie ihre Lebenskosten sonst nicht decken können.

    Dazu kommen Infrastrukturkosten. Selbst wenn der Code kostenlos ist, braucht er Server, um verteilt zu werden (Download-Server), Rechenleistung für Tests, Domains und ein Hosting für Webseiten und Speicherplatz für Backups. Diese Dinge kosten monatlich eine Stange Geld. Auch die Verwaltung von Communities, das Moderieren von Foren und das Organisieren von Meetings verbrauchen Zeit und Geld.

    Schliesslich gibt es Rechtliche und administrative Kosten. Freie Software wird oft von Vereinen oder Stiftungen verwaltet. Diese benötigen Anwälte, um Lizenzen zu prüfen, Verträge abzuschliessen und sich gegen Klagen zu wehren. Auch die Buchhaltung und das Spendenmanagement erfordern professionelle Betreuung. Das alles kostet Geld.

    Die Illusion des «kostenlosen»

    Bei BigTech-Produkten sind diese Kosten nicht etwa verschwunden; sie werden nur verlagert. Wir zahlen nicht mit Geld, sondern mit unseren Daten. Die Unternehmen verdienen an uns, indem sie unsere Aufmerksamkeit und die dadurch gesammelten Informationen verkaufen. Bei freier Software hingegen sind wir die Kunden, nicht das Produkt. Wenn wir die Entwicklung unterstützen, finanzieren wir direkt die Unabhängigkeit der Technologie.

    Es ist also nicht fair, von Entwicklern zu erwarten, dass sie ihre Arbeit umsonst erledigen, nur weil die Lizenz «frei» ist. Freiheit ist ein Wert, den es zu schützen gilt. Wer «Freie Software» nutzt, sollte verstehen, dass dies eine Investition in eine Zukunft ist, in der wir nicht von den kommerziellen Interessen einiger weniger Tech-Oligarchen abhängig sind.

    Lohn und Motivation für geleistete Arbeit

    Wenn wir zur Arbeit gehen, erwarten wir auch einen Lohn für die investierte Zeit und die geleistete Tätigkeit. Im Gegenzug sollten wir aber auch etwas für die wertvollen und oftmals mit viel Herzblut entwickelten Tools abgeben, die unter freien Lizenzen veröffentlicht und angeboten werden. Nur so kann deren Fortbestehen und die Entwicklung sichergestellt werden.

    Die Menschen, die hinter diesen Projekten stehen, machen ihre Arbeit vielfach nebenberuflich – in ihrer Freizeit. Anstatt also im Freibad zu liegen und sich die Sonne auf den Rücken brennen zu lassen, sitzen sie hinter ihren Bildschirmen und entwickeln Werkzeuge, die es uns allen ermöglichen, ohne Zwang und Abhängigkeit einen Computer oder ein Smartphone zu nutzen und dabei auch auf Datenschutz nicht verzichten zu müssen.

    Die Arbeit dieser Menschen sollte uns etwas Wert sein, damit sie ihrer Passion nachgehen können und weiter Software schreiben, deren kostbare Existenz uns allen am Herzen liegt.

    BigTech vs. Free Software

    Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, dass wir uns darauf besinnen, welche Software wir für welchen Zweck einsetzen. Betriebssysteme, Anwendungsprogramme, Apps und Webdienste. In sämtlichen Bereichen dominieren die Angebote von grossen, US-Amerikanischen Unternehmen, die aktuell für negative Schlagzeilen sorgen. Sie gaukeln ihren Benutzern vor, dass ihre Dienste «gratis» zur Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

    Die Dienste von BigTech sind allerdings keineswegs kostenfrei. Ganz im Gegenteil. Wer diese Angebote nutzt, bezahlt mit dem Recht auf persönliche Freiheit. Die Software und die Dienste von den grossen Playern bereichern sich an den Nutzerdaten und verwenden diese, um damit abhängig machende Geschäftsmodelle aufzubauen. Und noch viel mehr:

    Wie GAFAM mit unseren Daten reich wird

    Die fünf grossen US-Tech-Konzerne – Google, Apple, Facebook (Meta), Amazon und Microsoft – verdienen Milliarden mit unseren persönlichen Informationen. Nicht ohne Grund beherbergt genau diese Branche die reichsten Menschen der Welt.

    Jedes Mal, wenn wir etwas suchen, klicken, liken oder kaufen, hinterlassen wir digitale Spuren. Diese Daten werden gesammelt, kombiniert und analysiert. Daraus entstehen detaillierte Profile über unsere Gewohnheiten, Vorlieben, Ängste und Beziehungen. Diese Profile werden wiederum an Werbetreibende verkauft, die genau wissen wollen, wem sie was verkaufen können. Je genauer das Profil, desto höher der Preis.

    Gleichzeitig nutzen die Konzerne diese Daten, um ihre eigenen Produkte zu verbessern und Konkurrenten zu verdrängen.

    Wir sind also nicht die Kunden – wir sind das Produkt.

    Wer diesen Zeilen misstraut oder gerne mehr Hintergrundinformationen dazu hätte, wie Big Tech mit uns spielt und seine Nutzer ausnutzt; dem kann ich die Dokumentation «Die gefährlichsten Firmen der Welt – Big Tech» von ZDF nur ans Herz legen. Auch für gestandene Datenschützer und digital unabhängige Poweruser ist diese kurze Serie auf jeden Fall einen Blick wert:

    https://www.zdf.de/dokus/zdfinfo-die-gefaehrlichsten-firmen-der-welt-big-tech-100

    Und wo steht Europa in Bezug auf Free Software?

    Aus Europa kommen viele Protokolle, Softwareprojekte und Betriebssysteme, die alle auf freien Lizenzen basieren. Ein paar Beispiele: HTTP/HTTPS & HTML & URL (wurden allesamt am CERN in der Schweiz von Tim Berners Lee und Team entwickelt), Linux, KDE Plasma, Mastodon, LibreOffice, Nextcloud, oder auch die beliebten Linux-Betriebssysteme openSUSE und Ubuntu.

    Wie wir sehen, wäre also ein Web ohne die Innovation von Europa gar nicht möglich gewesen; es wäre sozusagen inexistent. Denn ohne das Standardprotokoll HTTP/HTTPS, das in Kombination mit HTML, der Auszeichnungssprache, und der URL, dem Adressierungssystem, zur Übertragung von Webseiten verwendet wird, und ohne Linux, auf dem ein Großteil der Server im Web betrieben wird, könnten Clouddienste wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure, Google Cloud Platform (GCP) oder auch Meta’s interne Infrastruktur von Big Tech gar nicht angeboten werden. Es ist also schon fast ein bisschen ironisch, wenn man genauer darüber nachdenkt.

    Tipp: Ein hervorragender Beitrag, der die Ambivalenz zwischen Europäischen Free Software Projekten und der US Big Tech Industrie beleuchtet: https://ploum.net/2026-01-22-why-no-european-google.html

    Freie Software: Schlüssel für Europa?

    Europa versucht gerade, unabhängiger von den großen US-Tech-Konzernen wie Microsoft, Meta und Google zu werden. Ein wichtiger Baustein, um dieses Ziel zu erreichen ist definitiv freie Software – also Betriebssysteme und Programme, deren Code offen liegt und von allen genutzt, verbessert und geteilt werden kann.

    Die Europäische Union setzt dabei auf mehrere Hebel: Mit neuen Gesetzen wie dem Digital Markets Act (DMA) soll verhindert werden, dass die Tech-Riesen ihre Marktmacht hier bei uns missbrauchen. Gleichzeitig fördert die EU eigene Projekte wie Gaia-X, eine europäische Cloud-Infrastruktur, die nicht von einzelnen Firmen kontrolliert wird. Auch öffentliche Einrichtungen werden ermutigt, auf Open-Source-Lösungen umzusteigen, statt sich von proprietären Systemen abhängig zu machen.

    Das Ziel ist klar: Europa will digitale Souveränität erreichen – also selbst bestimmen können, welche Technologien genutzt werden und wer die Kontrolle darüber hat. Doch dieser Weg ist steinig. Die großen Plattformen sind tief in unserer Infrastruktur verankert, und viele Menschen haben sich über Jahre an sie gewöhnt. Eine vollständige Ablösung wird daher einige Zeit brauchen. Aber mit freier Software hat Europa ein Werkzeug in der Hand, um langfristig eine eigenständige digitale Zukunft aufzubauen.

    Jede Stimme zählt

    Wir alle können unseren Beitrag zur Verbreitung und Entwicklung von freier Software leisten, indem wir unsere Stimme über die Brieftasche abgeben. Jede Stimme zählt. Und wer bezahlt – der wählt.

    Software ohne Zwang und ohne ausspioniert zu werden, nutzen zu können, sollte uns allen etwas wert sein. Es ist an der Zeit zu handeln und zu verstehen, dass Freiheit und Unabhängigkeit Geld kostet. Viel zu lange haben wir uns einlullen lassen von den gehypten Versprechungen der Marketingabteilungen von Big Tech.

    Eine «Geiz ist Geil»-Mentalität führt uns in den Abgrund und wenn wir auf dem harten Boden der Realität aufschlagen, ist es bereits zu spät. Denn dann haben wir unsere Freiheit verkauft und sind den absurden Ideologien und Geschäftsmodellen einer Industrie zum Opfer gefallen, die uns über Jahrzehnte hinweg schlicht und einfach an der Nase herumgeführt hat, um selber massive Gewinne einzufahren.

    Wollen wir uns das wirklich gefallen lassen? Die Entscheidung liegt bei allen, die sich für oder gegen einen Webdienst, ein Programm oder ein Betriebssystem entscheiden. Damit wir weiterhin freie Software nutzen können, sind diese Projekte gerade jetzt auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Jetzt, wo der Druck wächst und Big Tech mit Gesetzen versucht, alternative Angebote zu drangsalieren. Denn von Luft und Liebe lässt sich auch Open Source nicht flächendeckend etablieren.


    Liste von Open Source Projekten

    Ich habe hier eine Liste zusammengestellt, mit Links zu den jeweiligen Spenden-Seiten, auf denen man direkt einen Beitrag leisten kann. Dabei handelt es sich keineswegs um eine abschliessende oder wertende Auflistung. Es sind einfach die Projekte, die ich persönlich täglich nutze und die mich schon länger auf meinem Weg, weg von Big Tech, begleiten.

    Hinweis: Viele dieser Projekte sind auch offen durch aktive Unterstützung in Form von Übersetzungen, Hilfe beim Gestalten der Webseite oder durch aktive Entwicklung der Codebasis – es muss also nicht immer einfach nur Geld bezahlt werden!

    Betriebssysteme

    Desktop Umgebungen

    Anwendungsprogramme & Apps

    Apps

    Soziales Netz

    • Mastodon-Instanz: Auch unser Zugang zum wunderbaren Fediverse (und ja ich weiss, dass Mastodon nicht das einzige Tool ist, um Zugang zum Fediverse zu haben), verdient hin und wieder etwas Liebe. Ermöglicht es uns doch, hier offen und ohne getrackt zu werden, miteinander zu kommunizieren.
    • Mastodon: https://joinmastodon.org/sponsors
    • Peer-Tube: https://joinpeertube.org/contribute

    Webdienste


    Mitmachen?

    Welche Software ist Dir besonders wichtig; hast Du Vorschläge, wie die Liste erweitert werden kann? Lass es mich wissen, schreib mir einen Kommentar und ich werde weitere Ergänzungen vornehmen.

    Fediverse Reactions
  • BigTech vs. Europa: Gefängnis oder Freiheit?

    Die vergangenen Wochen waren sehr aufwühlend. Sie haben uns alle Kraft gekostet. Hass, Missgunst und Meinungsverschiedenheiten kochen hoch und schäumen über. Und dennoch möchte ich mit diesem Artikel daran erinnern, dass wir alle selber aktiv werden können. Es fängt bei uns selber an. Wir stehen in Europa an einem Scheideweg und wir haben die Chance – ja ich sehe es als einmalige Möglichkeit – uns dafür zu entscheiden, welche Welt wir den uns nachfolgenden Generationen übergeben möchten.

    Konrad Adenauer hatte schon 1955 in einem Regierungsbulletin erklärt: «Die Zeit des Nationalstaats ist vorüber. Wir haben nur noch zwischen Untergang und Einigung zu wählen.» Auf das heutige Weltgeschehen übertragen und für Europa umformuliert würde der Satz wohl eher lauten: «Wir haben nur noch zwischen Gefängnis und Freiheit zu wählen.» Doch alles der Reihe nach.

    GAFAM hat uns gefangen genommen und kotrolliert uns

    Die riesigen Plattformen von Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft (auch bekannt als #GAFAM oder eben #BigTech) sind so geschaffen, dass wir als Anwender auf immer darin gefangen bleiben.1

    Sämtliche Anwendungen von Meta und Alphabet sind weder gratis, noch sind sie politisch neutral. Es handelt sich dabei um süchtig machende Werkzeuge von riesigen US Unternehmen, die genau ein Ziel verfolgen: Die Aufmerksamkeit ihrer User zu fesseln, um an deren Daten und Bewegungsprofile zu kommen. Die Algorithmen, welche die Timelines der Nutzer formen und die Benachrichtungssysteme der Apps auf unseren Smartphones sind exakt so ausgelegt, dass wir genau eines machen: gratis Inhalte erstellen. Und davon möglichst viel. Zudem werden werden wir an die App oder eben an die Plattform gebunden.

    Somit werden die Nutzer zu gratis Arbeitern, die ohne überhaupt gross nachzudenken, eigenen Content erschaffen, einstellen und dadurch verschenken. Natürlich zu den restriktiven Bedingungen von BigTech, denn wir alle haben den Nutzungsbedinungen zugestimmt, als wir die App installiert haben. Hat einer von Euch diese überlangen, kleingedruckten Wortkreationen gelesen? Wohl die wenigsten von uns.

    Jetzt könnte man denken, das Problem besteht darin, dass YouTube, Facebook, WhatsApp oder Instagram überhaupt existieren. Doch dem ist nicht so. Die alleinige Existenz dieser aggressiv agierenden Datenstaubsauger ist nicht das Problem. In jedem Ökosystem gibt es aggressive Akteure und trotzdem – oder eben gerade deswegen – funktionieren diese Lebensräume.

    Nein, das Problem liegt vielmehr darin, dass die Akteure, die hinter BigTech stehen, die Welt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Glauben machen will, dass der einzige Weg zur Sozialen Kommunikation über ihre Plattformen führt.

    Wenn wir nun unsere persönlichen Inhalte kontinuierlich in die Datensilos von BigTech einspeisen, dann helfen wir mit jedem einzelnen Bild oder Post aktiv mit, das Vermögen der Superreichen noch weiter anzuhäufen, während wir selber unseren eigenen Content verlieren. Das erzeugt ein gewaltiges Ungleichgewicht.

    Ein Beispiel: Die gesamte Zielgruppe der herkömmlichen Medien (z.B. Medienverlage, TV- und Radiosender) bewegt sich heute grösstenteils ausschliesslich auf den #Plattformen der grossen Player. Logischerweise sind dadurch auch die Medien darauf angewiesen, ihre Inhalte auf den Plattformen anzubieten. Das schafft zwei Probleme:

    • Zum einen wird eine totale Abhängigkeit von diesen Plattformen geschaffen.
    • Zum anderen kann BigTech genau darüber bestimmen, welche Inhalte an wen ausgeliefert werden.

    So können die Betreiber dieser Plattformen mit der Welt machen, was sie wollen. Sie können Traffic manipulieren, unsere Gesellschaft, die Wissenschaft und die Wirtschaft beeinflussen. Oder aber auch einfach mal eben die Demokratie abschaffen – wie unschwer in der Berichterstattung über das aktuelle Weltgeschehen mitverfolgt werden kann.

    BigTech hat die totale Kontrolle über unseren Alltag gewonnen.

    Das Schlimme daran: es steht niemand mehr über diesen riesigen Strukturen, der das Verhalten der Akteure reguliert oder eingreifen kann, wenn sich alles in eine Richtung entwickelt, die offensichtlich an die Wand fährt.2

    Auf Kritik, Konkurrenz oder staatliche Regulierung durch Gesetze reagiert BigTech mit Abwiegen, Übernahmen oder Lobbyarbeit.3

    Open Source als Weg in die Freiheit?

    Freie Software und das Open Web begeben sich auf einen diametral entgegengesetzten Weg.

    Das Fediverse (sämtliche Dienste, welche auf dem ActivityPub Protokoll basieren, wie zB. Mastodon, Pixelfed, Friendica, etc.) hat uns in den letzten Jahren erfolgreich gezeigt: Soziale Netze ohne monopolistische Kontrolle können wunderbar funktionieren. Auch zeigt uns das Fediverse auf, dass Technologie durchaus im Stand ist, Menschen verschiedenster Herkunft, Geschlechterrollen und Gesinnungen miteinander in Kontakt zu bringen und zu verbinden, ohne dass gleich jede ihrer Aktionen oder Kontaktaufnahmen überwacht und zu Profit gemacht werden muss.

    Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir uns die Frage stellen sollten: «Will ich ein System fördern, das die Macht konzentriert und mich entmündigt – oder will ich dabei helfen ein System aufzubauen, das meine eigene digitale Selbständigkeit unterstützt und damit einen gesellschaftlichen Austausch auf Aufenhöhe fördert, oder aber überhaupt erst ermöglicht?»

    Jedes Mal, wenn wir auf Meta anstatt auf Pixelfed ein Bild hochladen und teilen, jedes Mal wenn wir unserer Freundin über WhatsApp anstatt über Threema eine Nachricht schreiben, geben wir unsere Stimme «pro BigTech» ab und stärken so die Position von #GAFAM. Wie man sieht, liegt also die Macht schlussendlich eben doch bei uns Nutzern. Wir sind die Wählerschaft und mit unserer täglichen Stimme (jede einzelne Interaktion, die auf einer der Plattformen tätigen) stärken wir die Position, die BigTech im eigentlich freien Internet einnimmt.

    Das ist keine Träumerei – das ist die Realität.

    Euro Stack: eine Möglichkeit die wir nutzen sollten

    Unsere Gesellschaft und unsere Demokratie, aber auch unsere Wirtschaft (zum Teil) basieren auf den Werten Freiheit, Unabhängigkeit und Gerechtigkeit. Diese Werte erfordern in der heutigen Welt – angesichts der Monopolstellung der GAFAM-Plattformen – Dezentralisierung. Ohne Dezentralisierung wird es sehr schwierig, bis unmöglich, sie weiter zu pflegen und daran festzuhalten. Aktuelle Projekte, wie der Euro Stack (das ist nur ein Beispiel unter etlichen anderen), sollten ebenso auf dezentralen Strukturen aufbauen. Wir alle können dazu beitragen, dass gesetzliche Regelungen geschaffen werden, die dafür sorgen, dass die Idee hinter dem Euro Stack sich entwickeln und gedeihen kann. Dass Europa in die Entwicklung und Nutzung eigener digitaler Werkzeuge, basierend auf Open Source Technologie investiert. Das wäre ein lobenswerter Ansatz. Und in diesem Ausmass hat es das auch noch nicht gegeben. Europa hat jetzt die Möglichkeit, sich in eine Vorreiter-Rolle zu begeben.

    Digitale Selbständigkeit ist unser Recht. Dafür müssen wir uns stark machen. Es braucht uns alle. JETZT!

    An dieser Stelle möchte ich noch den Link zum Artikel von GNU/Linux.ch einwerfen: https://gnulinux.ch/zum-wochenende-eurostack

    Ein Zitat aus dem Artikel lautet: «Das kostet sehr viel Geld.»

    Klar kostet die Schaffung von eigner Infrastruktur viel Geld. Geld das man beispielsweise beim Wettrüsten einsparen kann. Krieg zerstört und wirkt destruktiv, das wissen wir wohl alle. Anstatt nun weiterhin Milliarden in die Wiederbelebung eines toten Pferdes zu verbraten, können wir uns auch darauf fokussieren, eigene Projekte anzugehen und damit bleibende Werte für kommende Generationen erschaffen. Wir können die Früchte dieser Saat an unsere Kinder und Enkelkinder weitergeben. Für mich ist das ein absoluter No-Brainer. Ich hoffe, für die Europa-Politik auch!

    Wer auf Open Source setzt und wer sich für den Erhalt vom Open Web einsetzt, die oder der bewirkt etwas. Durch die Teilnahme an einem zukunftsweisenden System. Wer sich heute für die Nutzung föderierter sozialer Netwerke stark macht, ist aktiv dabei, wenn es um den Aufbau von realen Alternativen zu digitalen Monopolen geht.

    Die von BigTech angebotenen Apps sind bequem. Sie «lullen» uns ein. Sie sind – symbolisch gesprochen – wie die Mutterbrust, eine beruhigende Konstante im immer schneller werdenden digitalen Alltag von uns digitalen Säuglingen. Aber es ist an der Zeit, dass wir einen Schritt weiter gehen. Dass wir uns entwickeln. Dass wir Erwachsen werden und unsere eigen digitale Welt gestalten. Schliesslich wollen wir ja digital mündige Bürger werden – oder etwa nicht?

    Wir können uns befreien!

    Das können wir erreichen. Wir schaffen das. OpenSource und das open Web bieten uns die Möglichkeiten dazu: echte Eigentümerschaft, offene Datenspeicher, Standards die mitgestaltet werden können und damit einhergehend auch Unabhängigkeit.

    Projekte wie eben z.B. der Euro Stack fördern nicht den Aufbau von noch schnelleren, bunteren, süchtig machenden Erlebnissen. Im Gegenteil. Sie haben zum Ziel, eine offene digitale Infrastruktur zu fördern, welche als Grundlage für digitale Würde dienen kann.

    Ideen wie diese erschaffen digitale Ökosysteme, in denen die Daten der Anwender nicht ausgebeutet, Ihre Aufmerksamkeit gefangen und Ihre Inhalte nicht durch Grossmonopole kommerzialisiert und monetarisiert werden. Neid, Missgunst und Hass werden nicht durch künstlich geformte Algorithmen gepusht und zum wichtigsten Geschäftsmodell US-amerikanischer Oligarchen gemacht. Wissen ist Macht. Man sollte nicht vergessen, dass die USA ursprünglich von uns Europäern abstammen. Heute möchten sie den Spiess umdrehen und uns abhängig machen. Was wir aber als Trumpf im Ärmel haben, ist unsere Geschichte. Unsere Werte. An die müssen wir glauben. Auf diese müssen wir wieder lernen, stolz zu sein. Als Einheit.

    Darum finde ich es wichtig, sich darauf zu konzentrieren, dass die von uns Europäern in Zukunft eingesetzten Technologien die Freiheit und damit die Möglichkeiten erweitern und nicht noch weiter einschränken. Wir müssen uns aus der Gefangenschaft und der Abhängigkeit von BigTech befreien.

    Frei wie in «freie Meinungsäusserung» – nicht billig, wie in «gratis Bier».

    Seid weise. Nutzt eure Intelligenz. Kämpft für die Unabhängigkeit. Nutzt Open Source!

    Anmerkung: Dieser Beitrag ist inspiriert durch den Blogbeitrag von Joan Westenberg, das Buch von Martin Andree und unzählige Diskussionen, die ich auf Mastodon führen durfte. Ich habe ihn geschrieben, weil ich er ein Thema aufgreift, dass meine persönliche Ansichten und mein eigenes Schaffen des letzten Jahrzents punktgenau wiederspiegelt. 2014 habe ich Linux als Betriebssystem auf meinen Laptop installiert und Microsoft aus dem Windows geschmissen. Nach und nach habe ich innerhalb der letzten 11 Jahre zu offenen Technologien und Plattformen gewechselt. Darum freut es mich besonders, dass heute immer mehr Menschen den gleichen Schritt machen und wir immer mehr werden, die sich gegenseitig untersützen und helfen.

    Dank dem Activity Pub Plugin kann, wer möchte, meinem Blog auch direkt im Fediverse folgen. Dazu einfach thom@thomas-hitz.ch z.B. auf Mastodon folgen, und Du bekommst die Neuigkeiten des Blogs direkt in Deinem Stream mit angezeigt. Fediverse rockt!

    Links zum Beitrag

    Big Tech muss weg! Martin Andree

    Atlas der digitalen Welt. Martin Andree

    Euro Stack – offizielle Seite

    Euro Stack – interaktive Infoseite

    https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/eurostack-a-european-alternative-for-digital-sovereignty-1

    https://buendnis-f5.de/publikationen/2025-02-26-bausteinedigitaleinfrastruktur

    https://algorithmwatch.org/de

    Hashtag #UnplugTrump im Fediverse

    Hasthag #BigTech im Fediverse

    Fussnoten

    1. Martin Andree. 2023. Big Tech muss weg! Seite 60 ↩︎
    2. Martin Andree. 2023. Big Tech muss weg! Ab Seite 150 ↩︎
    3. Martin Andree. 2023 Big Tech muss weg! Ab Seite 227 ↩︎
  • Google Alternativen

    Für die Websuche gibt es nicht nur Google als Suchmaschine. Ich möchte hier eine kleine Übersicht geben, welche Alternativen ich selber nutze. Diese Suchmaschinen verwenden kein Tracking und senden keine Informationen über Dich an Drittfirmen. Für eine umfangreiche Übersicht über viele Suchmaschinen empfehle ich Search Engine Party. Auch der Artikel «Es geht auch ohne Google – Alternative Suchmaschinen» von Digitalcourage ist empfehlenswert.

    Meine persönlichen Favoriten

    Metager

    MetaGer wird vom SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang – mit Sitz in Hannover entwickelt und betrieben. Wie der Name schon suggeriert, war MetaGer ursprünglich eine Metasuchmaschine. Inzwischen betreibt MetaGer auch einen eigenen Index, aber viele Ergebnisse kommen immer noch von anderen Suchmaschinen wie Yahoo/Bing oder Yandex und auch kleineren, weniger bekannten Suchmaschinen wie Exalead, Netluchs und YaCy. Google-Ergebnisse fehlen. MetaGer speichert nach eigenen Angaben weder Ihre IP-Adresse noch den „Fingerabdruck“ Ihres Browsers, verzichtet auf Tracking und verwendet Ökostrom. Die sehr übersichtlich aufgelisteten Infos zu Datenschutz und Privatsphäre können auf der Seite eingesehen werden. MetaGer wird finanziert über Spenden, Fördermitgliedschaften und Text-Werbe-Links. Seit August 2016 ist die eingesetzte Software unter einer freien Lizenz kostenlos erhältlich.

    Nachteil: Keine Google Ergebnisse. Allerdings kannst Du mit startpage.com die gleiche Suche ausführen und bekommst dort die Resultate, die Dir auch Google liefern würde.

    Searx

    Searx ist eine dezentrale Meta-Suchmaschine. Jeder kann eine eigene Instanz betreiben. Der Schutz der Privatsphäre ist bei Searx oberste Priorität. Gedacht ist sie für erwachsene, mündige User, die das Internet ungefiltert erfahren wollen. Folgerichtig ist der SafeSearch-Filter per Voreinstellung ausgeschaltet, was Instanz-Betreibende aber ändern können. Auf searx.space ist die Liste der öffentlichen Instanzen ersichtlich; dies ist interessant für alle, die keinen eigenen Server betreiben wollen.

    Getätigte Suchanfragen werden anonymisiert, bevor sie an die bis zu 70 Suchanbieter geschickt werden.

    Nachteil: Weil Searx-Instanzen meist von Privatleuten betrieben werden, die keine Lizenzverträge mit den im Hintergrund abgefragten Suchmaschinen abschließen, werden viele Searx-Instanzen von diesen Suchmaschinen blockiert, sobald sie populär werden. Dann funktionieren diese Searx-Instanzen nicht mehr richtig oder gar nicht mehr.

    eTools.ch

    eTools.ch ist wie MetaGer eine Meta-Suchmaschine, die verspricht, keine persönlichen Daten zu speichern. Die Suchergebnisse sind ausgezeichnet – hier kann man Seiten finden, die selbst Google nicht kennt.

    Nachteil: Leider bindet eTools.ch Werbung durch Drittanbieter ein, die unter Umständen Cookies setzen und so das Nutzungsverhalten erfassen können.

    Startpage

    Für alle, die nicht auf Google Resultate verzichten wollen/können, eignet sich die Proxy-Suchmaschine am besten. Google Resultate werden anonymisiert dargestellt. Ohne Tracking und Filter-Bubble.

    Finanziert wird die Startpage über Werbung, welche direkt zum eingegebenen Suchbegriff geschaltet wird. Gemäss eigenen Angaben werden keine Nutzerdaten an die Werbetreibenden weitergegeben.

    Ursprünglich gehörte Startpage einer Niederländischen Firma. Unterdessen wurde ein Mehrheitsanteil an eine US-amerikanische Firma verkauft und seitdem stehen auch etliche Server in den USA.

    Eingeschränkt empfehlenswert

    DuckDuckGo

    DuckDuckGo ist wahrscheinlich die bekannteste Suchmaschine, wenn es um Privatsphäre für den Otto-Normalverbraucher geht. Nach eigenen Angaben werden keine persönlich zuweisbaren Informationen gesammelt. DuckDuckGo funktioniert auch ohne JavaScript.

    DuckDuckGo verwendet einen eigenen Webcrawler und greift zusätzlich auf zahlreiche andere Suchmaschinen zurück (Meta-Suchmaschine).

    Zum eingegebenen Suchbegriff wird Werbung über das Microsoft Advertising Netzwerk geschaltet. Zusätzlich finanziert sich DuckDuckGo über Amazon und eBay.

    Ein Teil des Codes ist Open Source. Gerichtsstand ist USA.

    Qwant

    Qwant ist eine Französische Suchmaschine und bietet somit einen besseren Schutz der Privatsphäre als die USA. Gemäss den Datenschutzbestimmungen von Qwant erfolgt kein Tracking.

    Die Suchergebnisse kommen von einem eigenen Crawler, Ergänzungen kommen von Bing (Meta).

    Auch hier wird für die Werbung das Microsoft Advertising Netzwerk verwendet.

    Ohne JavaScript wird man auf die Lite-Version lite.qwant.com geleitet, welche für schwächere Hardware vorgesehen ist.

    Swisscows

    Swisscows kommt, wie der Name schon sagt aus der Schweiz. Der Schutz der Privatsphäre ist hier nochmals besser als in den USA oder in der EU.

    Die Suchresultate stammen hauptsächlich von Bing (Proxy).

    JavaScript muss aktiviert sein, damit die Suchmaschine funktioniert.

    Gemäss eigenen Angaben (Datenschutzbestimmungen) werden keine persönlichen Daten gesammelt. Einzig die Suchanfragen pro Tag werden geloggt, damit die Performance ausgewertet werden kann.


    Diese Übersicht basiert auf dem detaillierten Artikel von paranoid.is und auf der Übersicht von Digitalcourage. Besten Dank an dieser Stelle!

  • Von Ubuntu zu Debian

    Von Ubuntu zu Debian

    In den letzten Tagen habe ich mich ja intensiv mit dem Thema «Freie Software» und «Open Source» auseinandergesetzt. Mich damit beschäftigt, ob ich mein Ubuntu ruhigen Gewissens auf der Festplatte lassen kann, oder aber doch lieber zu Debian wechseln will. Videos von Stallman und von Shuttleworth angeschaut, gelesen, gelesen und noch einmal gelesen.

    Seit ein paar Tagen hatte ich ja nebst meinem Ubuntu zusätzlich ein Debian Wheezy in Dualbootkonfiguration am laufen. Das Wheezy lag dort, wo früher mal das Windows gewohnt hatte…

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  • 170 Primarschulen in Genf wechseln zu Ubuntu

    170 Primarschulen in Genf wechseln zu Ubuntu

    Im Zuge einer Umstellungswelle wechseln alle Primar- und Sekundarschulen in Genf zun GNU/Linux. Die von den Lehrern und Schülern verwendeten PC’s in den betroffenen Schulen werden unter Ubuntu und nicht mehr mit Windows laufen. Tatsächlich haben bereits 170 Schulen umgestellt, während weitere 20 innerhalb des nächsten Jahres wechseln werden.

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