Ein Moment der Ehrfurcht
Heute nach der Frühschicht bin ich raus – rein in die Natur. Es war aber nicht die Ruhe, die ich dort fand. Es war das gewaltige Rauschen des Windes, der das ganze Tal mit seinen imposanten Böen erfüllte. Diese Kraft kann einem auch als Erwachsener durchaus das Gefühl vermitteln, das ich am liebsten mit Ehrfurcht beschreiben möchte. Der Mensch ist klein und schwach. Es tut gut, dieses Gefühl zu erleben.
Wenn wir den Fokus verlieren
Es macht mir bewusst, wie oft ich den Fokus verliere, weil ich mich durch irgendwelche Shitstorms ablenken lasse – produziert von irgendwelchen «mächtigen Männern», deren Aufgabe es ist, die Welt unter sich aufzuteilen. Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass gewisse Kräfte alles daran setzen, Lärm zu erzeugen. Lärm, der ablenkt. Lärm, der übertönt, was eigentlich wichtig wäre.
Denn viele von uns sind laufend abgelenkt von dem, was ihre echte Berufung wäre. Von dem, was wirklich zählt. So sehr, dass das Potential, das in uns steckt, nicht richtig ausgeschöpft wird. Vielfalt, Kreativität, Liebe und Wärme verkaufen sich in den Medien nicht so gut wie Krieg, Neid, Hass, Angst, Missgunst. Muss das wirklich so sein?
Die unsichtbare Last der Nachrichten
Die ständige Flut negativer Schlagzeilen hinterlässt Spuren, die wir oft erst bemerken, wenn sie schon tief sitzen. Unser Nervensystem ist nicht dafür gemacht, rund um die Uhr mit Bedrohungen konfrontiert zu werden – selbst wenn diese Bedrohungen nur auf einem Bildschirm erscheinen. Die Folgen davon merken wir im Alltag: ein unterschwelliger Dauerstress, der sich in Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und einem Gefühl der Hilflosigkeit äußert. Wir tragen die grossen Sorgen der Welt mit uns herum, als wären sie unsere eigenen. Dabei vergessen wir: Ein einzelner Mensch kann nicht die gesamte Tragödie der Welt in sich aufnehmen, ohne dabei Schaden zu nehmen.
Zurück zum Wesentlichen: Die Heilkraft der Natur
Doch genau hier setzt der Gang in die Natur an. Wenn wir rausgehen, wenn wir den Wind spüren, wenn wir die Stille zwischen den Geräuschen, oder aber eben den Lärm der wallenden Elemente wahrnehmen – dann werden Prozesse in uns aktiviert. Es beginnt, etwas zu heilen. Studien zeigen längst, was wir intuitiv wissen: Zeit in der Natur senkt den Cortisolspiegel, beruhigt das Herz-Kreislauf-System und bringt den Geist zurück ins Hier und Jetzt. Die Natur urteilt nicht, sie bewertet nicht, sie verlangt nichts von uns. Sie ist einfach da. Und in dieser Einfachheit finden wir zurück zu uns selbst. Zu dem, wer wir wirklich sind, jenseits aller Rollen, Erwartungen und Algorithmen.
Gegensteuer geben
Genau jetzt ist es wichtig, dass wir die Diskussionen um Themen wie Umweltschutz, Energiepolitik, Diversität, Selbstbestimmung im Leben und auch zur digitalen Unabhängigkeit intensiver denn je führen. Gegensteuer geben. Zeigen, dass wir viele sind und uns nicht einfach wegnehmen lassen, was uns ausmacht. Von einem System, das geschaffen wurde zur Ausbeutung Vieler und Profitmaximierung einiger Weniger.
Ein kleiner Aufruf
Wenn Euch vielleicht wie mir auch mal wieder die Decke auf den Kopf fällt und Euch die ganzen Inhalte aus den News, den sozialen Medien und von wo auch immer einfach zu viel werden – schaltet ab. Geht raus. Raus an die frische Luft. Atmet tief durch. Und nehmt etwas mit von dem Gefühl, das die Natur zu vermitteln hat: Dass wir Teil von etwas Größerem sind. Dass wir nicht allein sind. Dass es noch mehr gibt als den Lärm, der uns täglich umgibt.
Was nehmt Ihr mit, wenn Ihr rausgeht? Ich würde gerne erfahren, wie Ihr diese Momente erlebt.



